Erste Schifahrer in Au

Bregenzerwälder behaupten, daß sich der Winter "hinter der Kanisfluh abspiele". Tatsache ist, daß sich im Talkessel von Au und Schoppernau der Winter ausgeprägter zeigt, als im Mittel- udn Vorderwald. Dies führte dazu, daß sich in den Schiläufern hier ein großes Betätigungsfeld bot.

Die ersten Aufzeichnungen über Schifahrer in Au Stammen aus dem zu Beginn des Jahrhunderts angelegten "Schibuch für AU". Der in Innsbuck als Sportlehrer tätige Dr. Ernst Janner, Bruder ds damaligen Gemeindearztes, sowie Albert Berlinger, Reserveleutnant der K&K Armee brachten die ersten Schier nach Au.

1908 meldeten sich 15 Schifahrer zum ersten Schikurs in den Argenauer Feldern. Als Schilehrer konnte Fritz Eyth aus Bregenz gewonnen werden. 

Im folgenden Jahr gab es nicht nur einen Schikurs, sondern auch das erste "Schiwettlaufen" in Au. Die Rennstrecke führte vom Argenzipfler-Hinterteil zum gasthof Rössle. Als Preis für den Sieger wurden 5 Kronen ausgesetzt. Im Anschluß wurde der Schiwettlauf der Schulbuben abgehalten. Die Buben wurden alle gleichzeitig auf die Strecke von der Grunholzer Mauer abgelassen, und Sieger war, wer als erster das Gasthaus Rössle erreichte.

Erste Schitouren bis zur Alpe Wurzach und Stoggen, Stöggele wurden unternommen.

1910 maßen sich die Auer Schiläufer im Abfahrtslauf von der Alpe Wurzach.

Von einem Schirennen in Damüls wird berichtet, daß die Rennläufer in Minutenabständen starten mußten, da kein Starter anwesend war. Die beiden letzten Fahrer mußten gleichzeitig abfahren, damit nicht geschwindelt werden konnte. Die Abfahrt war eine Schußfahrt mit nur einem Stock. Ähnlich dürfte auch in Au vorgegangen worden sein.

Wilhelm Kohler, Schreinermeister in Argenau, fabrizierte für schibegeisterte Auer in der Folge Schier. Er bog über Dampf gehobelte Fichtenbretter, und die Jugendlichen nagelten oder banden alte Schuhe darauf und eiferten den ersten Könnern nach.

Schon von Winteranfang 1911 an wurde an geeigneten Hängegn fleißig geübt. Turnlehrer Janner unterrichtete die Schifahrer in telemark und Christiana. Als Gipfel des Könnens wurde die tadellose Ausführung dieser beiden Schwünge angesehen. Sprünge waren nicht beliebt. Einige Jahre später wird trotzdem von einem Shispringen berichtet. Anton Kopf war Sprungspezialist und soll schon Sprünge bis 16 m gestanden haben.

Durch den ersten Weltkrieg wurde die Entwicklung des heimischen Schilaufs unterbrochen. Franz Marinelli, als Schilehrer im Fronteinsatz in Südtirol, brachte nach Beendigung des Krieges die Neuentwicklungen auf dem Schi- und Bindungssektor mit nach Au. Die Zweistpcktechnik hatte sich durchgesetzt, und auch Frauen begannen zögern mit ersten "Gehversuchen auf Schiern".

Aus der Festzeitschrift zum 60 jährigen Bestehen des WSV Au /1935 bis 1995)